Ehrenamtlicher Einsatz für Straßenkatzen in Not seit 1991

   
   
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Umgang mit Fund- und herrenlosen Tieren
 
Fundtiere sind entlaufene bzw. verloren gegangene Tiere, deren Eigentümer meist unbekannt ist. Sie unterliegen dem Fundrecht (Bürgerliches Gesetzbuch § 965-984) und gelten als Sache. Für den Finder besteht die Pflicht, den Fund unverzüglich dem Eigentümer bzw. der zuständigen Fundbehörde anzuzeigen. Die zuständige Behörde, oft das Ordnungsamt, ist zur Betreuung der Fundtiere verpflichtet.

Diese Aufgaben können an Dritte (z.B. Tierschutzvereine) übertragen werden; die Kosten trägt die Fundbehörde. Die finanziellen Aufwendungen können dem Eigentümer des Tieres bei Bekannt werden in Rechnung gestellt werden. Interessant wird es bei den Kosten für gefundene Tiere wie verwilderte Hauskatzen: Laut Gesetzeslage „Fundtier" haben die Städte und Gemeinden die Kosten der Ernährung, Pflege, Unterbringung, die tierärztliche Versorgung sowie die Kosten der Kastration (§2, §3 Nr. 3, § 6 Nr. 5 TierSchG) dieser Katzen und Kater zu tragen.
 
Kastrationskosten werden von der Gemeinde nur dann übernommen, wenn das Tier wieder an seinen Fundort zurück verbracht werden muss (wo es bisher überlebt hat), weil es nicht in geschlossenen Räumen gehalten werden kann (das ergibt sich aus § 2 TierSchG). Für die Aufbewahrungszeit von 6 Monaten (nach § 973 BGB) müssen alle Kosten von den Gemeinden übernommen werden. Die Gesetze gelten für alle Haustiere, so also auch für zugelaufene oder zugeflogene Fundtiere. Katzen ohne Besitzer oder verwilderte Straßenkatzen werden von den Behörden aber gerne als herrenlose Tiere eingestuft. Das sind Tiere, an denen nach bürgerlichem Recht (BGB §§ 958-964) kein Eigentum besteht wie den in Freiheit lebenden Wildtieren. „Wilde Tiere gelten als herrenlos, solange sie sich in Freiheit befinden. Gefangengehaltene Wildtiere werden herrenlos, wenn sie ihre Freiheit wiedererlangen und der Eigentümer diese aufgibt. Ein gezähmtes Tier gilt dann als herrenlos, wenn es die Gewohnheit ablegt, an den ihm bestimmten Ort zurückzukehren" (BGB § 960). Entsprechend dem Tierschutzgesetz § Nr.3 stellt das Aussetzen von in der Obhut des Menschen gehaltener Tiere eine Ordnungswidrigkeit dar. Lange Rede kurzer Sinn: Verwilderte Katzen waren und sind Haustiere und keine gezähmten Wildtiere, die in die Freiheit zurückkehren. Sie stammen letztlich alle von Katzen ab, die sich in der Obhut von Menschen befanden und deren Fortpflanzung nicht kontrolliert wurde.

Die Kommunen und Städte sind also in der Pflicht, sich um diese Katzen zu kümmern. Zu einem überwiegenden Teil wird dies aber abgelehnt, weil das Geld fehlt oder weil aufgrund der enormen Katzenpopulation bundesweit keine Versorgungsmöglichkeiten mehr vorhanden sind. Ehrenamtlich arbeitende Vereine wie die Katzenhilfe Bremen e.V., die sich in solchen Fällen engagieren, stoßen trotz hoher jährlicher Kastrationszahlen an ihre Grenzen, weil sich die Lage nicht bessert, sondern verschlimmert. Die Politik hat sich bisher immer darauf verlassen, dass solche privaten Tierschutzvereine mit Geld und Zeit einspringen, weil sie das Elend nicht hinnehmen wollen. Das reicht aber heute nicht mehr, wie einige Kommunen nun realisieren. Eine Katzenschutzverordnung, wie sie in Delmenhorst seit August 2010 gilt, schreibt zum Beispiel vor, dass alle Besitzer freilaufender Katzen und Kater zur Kastration verpflichtet sind, sonst droht ihnen eine Ordnungsstrafe. Ebenso sollen diejenigen, die verwilderte oder besitzerlose Katzen füttern, automatisch für deren Kastration bezahlen. Damit spricht die Stadt indirekt ein Fütterungsverbot aus, denn das würde bei den häufig in Gruppen lebenden, verwilderten Katzen erhebliche Kosten von mehreren hundert Euro für den Tierfreund bedeuten. Gleichzeitig lehnt der Fachdienst Veterinärwesen in Delmenhorst jegliche Verantwortung für diese Katzen ab.
 
Was können Sie tun?
 
Auf keinen Fall wegschauen, denn diese auf der Straße lebenden Hauskatzen brauchen Hilfe und werden auch nicht „einfach verhungern" und verschwinden. Falls Sie also erleben, wie Sie mit fadenscheinigen Erklärungen von Behörden trotz geltendem Recht abgewimmelt werden, können Sie zum Beispiel eine Fachaufsichtsbeschwerde zur Überprüfung der Entscheidung bei der nächst höheren Dienststelle einreichen. Unterstützen Sie die Forderungen der Tierschutzinitiativen, wie sie z.B. die Initiative Pro Katzenschutzverordnung klar formuliert: Zum einen Rechtssicherheit für Tierschützer, die durch ihren Einsatz das im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz realisieren, zum anderen die Vergütung für die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren in Tierheimen. Ideal wäre, Katzenhaltung gesetzlich bundesweit verbindlich zu regeln: Zum Beispiel eine Kastrationspflicht männlicher und weiblicher Freigängerkatzen ab dem fünften Monat, eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht und eine bundeseinheitliche Katzenschutzverordnung im Tierschutzgesetz. Damit würde man den Tieren viel Leid ersparen und letztlich die Steuerzahler erheblich entlasten.

Sylvia Schierenbeck für die Katzenhilfe Bremen e.V..
 
Tipps zur Aufnahme scheuer verwilderter Katzen
 
Leider ist es nicht immer möglich, scheue verwilderte Katzen zahm zu bekommen und in die Familie zu integrieren. Manche Katzen haben so schlechte Erfahrungen mit den Menschen gemacht, dass sie nie wieder etwas mit ihnen zu tun haben wollen. Viele können aber mit einiger Geduld wieder an den Menschen gewöhnt werden. Eine Chance sollte man jeder Katze geben (ob die Katze dem Menschen die Chance gibt, ist eine andere Sache). Katzen die Menschenkontakt meiden, sich nicht anfassen lassen und mit Flucht reagieren, sind meistens verwildert und herrenlos. Versuchen Sie nicht, die Katze mit bloßer Hand einzufangen, dass könnte schmerzhaft für Sie enden, denn Katzen in Panik sind nicht ungefährlich. Auch kleine Katzenbabys haben schon messerscharfe Krallen. Die Katze dem örtlichen Tierschutzverein und dem Fundamt melden. Möglicherweise handelt es sich um eine entlaufene Katze, die einfach nur sehr ängstlich ist.

Die Katze nicht einsperren, lieber draußen füttern und Unterschlupfmöglichkeit bieten. Stets ruhig und freundlich mit dem Tier sprechen. Lebendfalle vom Tierschutz- oder Katzenschutzverein vor Ort (z.B. der Katzenhilfe Bremen e.V.) leihen oder diesen Verein bitten, die Katze einzufangen und in ihre Obhut zu nehmen. Das Tier in der Falle dem Tierarzt vorführen (zwecks Untersuchung, Kastration, Impfung...). Wenn die Katze ins Haus bzw. in die Wohnung möchte, kommt sie von allein. Unter Umständen kann man sie auch mit Futter ins Haus locken, dann aber anfangs Tür nach draußen offen lassen, damit sie eine Rückzugsmöglichkeit hat. Sollten alteingesessene Katzen da sein, bei Streitereien nur eingreifen, wenn es zu schlimm wird. Die Rangordnung muss neu festgelegt werden und da kann es unter Umständen zu heftigem Geheule kommen. Die Fetzen fliegen im wahrsten Sinne des Wortes, aber es kommt nach meiner Erfahrung selten bis nie zu ernsthaften Verletzungen (hört sich meistens alles schlimmer an, als es ist). Auch hier ist Geduld gefragt und man sollte einfach abwarten. Bei allen anderen Dingen heißt es: Abwarten und in Geduld üben, die Katze zu nichts zwingen (das wird ein Tierfreund sowieso nicht machen). Vielleicht wird sie immer scheu bleiben, vielleicht entwickelt sie sich aber auch zum Schmusetiger, der Streicheleinheiten genießt. Die ehemals Wilden sind oftmals die Liebsten. Es ist eine tolle Erfahrung, wenn ein ehemals verwildertes, scheues Tier plötzlich schnurrend um die Beine streicht. Das ist pures Glück!

Anne Fromm für die Katzenhilfe Bremen e.V.
 
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